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15.09.2021

Sonnenuhr am Bassin offiziell übergeben

Genaue Uhrzeit dank Schattenstab

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© Stadt Ludwigslust SW

Bereits in den Herbstmonaten des vergangenen Jahres wurde die Restauration der Kaplunger – Skulptur fertiggestellt. Es wurden Algen, Flechten, Gipskrusten und Gipsausblühungen entfernt, Ausbrüche und Fehlstellen geschlossen und Löwe und Eisbär zu neuem Leben erweckt. 

Neben diesen Arbeiten wurde auch die Sonnenuhr, die sich ursprünglich auf der Skulptur befand, nachgebildet. Da die Aktenlage hinsichtlich des Aussehens der Sonnenuhr recht dünn war, konnte man zu ihrem ursprünglichen Aussehen nur Vermutungen anstellen. Gemeinsam entschieden die Restauratorin Paula Kropius, die Stadt Ludwigslust und die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim, der Sonnenuhr eine historisch belegte Dreiecksform zu geben.

Doch schon bald stellte sich diese Entscheidung als Fehler heraus. „Mit Beginn der Sonnenmonate wurde schnell klar, dass das Dreieck zwei Schatten wirft und so das Ablesen einer genauen Uhrzeit nicht möglich ist,“ so Paula Kropius. 

Also machte sie sich noch einmal an die Arbeit. Das Dreieck wurde nun gegen einen modernen, schlanken Schattenstab ausgetauscht. Dass diese Entscheidung richtig war, wurde bei der offiziellen Übergabe des Gesamtkunstwerkes schnell klar: zuverlässig zeigte die Sonnenuhr an diesem sonnigen Tag die Uhrzeit an: 14.30 Uhr – Winterzeit. Auf die Sommerzeit umrechnen muss der Betrachter jedoch alleine. 

Zur Übergabe rollte der Ludwigsluster Geschichtskenner Reinhard Heißner, den Bürgermeister Reinhard Mach ehrenvoll als „Historiker im Ehrenamt“ vorstellte, die Geschichte der Skulptur noch einmal vor den Anwesenden auf.  Und Reinhard Heißner weiß viel zu erzählen über die Sandsteinfigur und ihre Geschichte. Ihm hat es Ludwigslust zu verdanken, dass diese wohl einmalige Figur am Bassin nicht in Vergessenheit geraten ist und nun nach der Sanierung in neuem Glanz erstrahlt.

„Einmalig ist diese Skulptur – Die Krönung ist die Sonnenuhr“, so ein Eigen-Zitat Heißners, mit dem er die Bedeutung der Figur auf den Punkt bringt. Als Kaplunger 1780 den Auftrag für eine Sonnenuhr erhielt, sollte nicht einfach nur ein Stab am Bassin aufgestellt werden, es sollte, wie in Ludwiglust üblich, etwas Besonderes geschaffen werden. Schnell war klar, dass es etwas mit Tieren sein sollte. Ein Löwe – über ihm herabfallender Efeu nach Süden und ein Eisbär nach Norden. Zum Eisbären gab es lange Zeit viele Interpretationen: ein Lamm, ein Wolf oder gar eine Löwenfrau. „Den Ausschlag für die eindeutige Identifizierung gaben die Tatzen“, so Reinhard Heißner, „und die Tatsache, dass die Skulptur über seinem Kopf herabfallende Eistropfen zeigt.“

Reinhard Heißner ist sichtlich stolz auf die gelungene Sanierung dieser ganz besonderen Skulptur im Herzen unserer Stadt und er bedankte sich bei Bürgermeister Reinhard Mach, dass dieser sein Versprechen eingelöst hat, als er ihm 2016 zusicherte: „Ja, diese Skulptur wird irgendwann in neuem Glanz erstrahlen.“